The boys are back! Zum wiederholten Male bereits stellte das Festspielhaus Neuschwanstein die Bühne für eines der kultigsten Konzertformate überhaupt: Das Boyband Special.
Vier (mittel-)junge Männer – Armin Kahl, Jan Ammann, Peter Stassen und Filippo Strocchi – hatten sich ursprünglich zusammengecastet, um zu singen, zu tanzen und die Musik und ihr Publikum gleichermaßen zu feiern. Augenzwinkernd soll hier eine krasse 90er Party gefeiert werden, innerhalb derer die Zeit der Boybands wieder aufflammt. Garniert wird dieser Plot durch Erwünschtes, Seltenes, durchweg aber Wunderschönes aus Rock, Pop und Muscical.

Nun hat leider wenige Tage vor dem Konzert Armin Kahl krankheitsbedingt absagen müssen. Dankenswerterweise hat sich Philipp Hägeli zur Vertretung bereit erklärt. Am Abend selbst dann trat Peter Stassen sichtlich nervös auf die Bühne, um anzukündigen, dass auch Jan Amman nicht dabei sein wird, da seine Stimme zu angegriffen sei, um ein ganzes Konzert zu singen. Glück im Unglück, dass Riccardo Greco gerade in Füssen den Anastasius in der Päpstin gibt. Von jetzt auf gleich hüpfte er auf den frei gewordenen Boyband-Platz.
Aber funktioniert ein Boyband-Special, wenn 50% der Band ausgetauscht werden? Wo sich die Musikgeschichte nicht ganz einig ist, ist es augenscheinlich das Publikum: Es funktioniert FANTASTISCH.
Natürlich haben sich die Zuschauer auf die ursprüngliche Besetzung gefreut, aber: Philipp Hägeli auf die Bühne nach Füssen zu holen, war einfach ein genialer Schachzug, denn der bringt so eine unglaubliche Stimme mit. In jedem Genre fühlt er sich gesanglich wie schauspielerisch zu Hause. Ob moderierend – die Songs dem Publikum ansagend oder ein Interview mit Ariana Grande und Cynthia Erivo führend – oder als Pferd des Kokosnussritters: Philipp Hägeli ist einfach ein Typ, den man nicht mehr vergisst und der diesen Mix aus Boyband veralbern und gleichzeitig feiern sofort mitgetragen hat. Neben Peter Stassen als „Daddy“ und Filippo Strocchi als „Bad Boy“ gibt er im Reigen der zu besetzenden Rollen die Rampensau perfekt.
Riccardo Greco übernahm von Jan Amman die Nische des Charmbolzen und auch er macht das, als hätte er nie was anderes gemacht als Boybandkonzerte gesungen. Riccardo-Rufen und geworfenen BHs begegnet er lächelnd mit einer Telefon-Geste und einem gehauchten Call-Me, was möglicherweise im Publikum zu Adrenalin-Stößen geführt hat.. Ohne Netz und doppelten Boden stürzte sich Riccardo Greco ins Boyband-Terrain und überzeugte auf der Stelle sowohl mit den ernsten Töne wie in „Wie jeder andre Mann“ aus Rudolf. Die komödiantischen Nummern und die vielen Albernheiten stehen ihm genauso ausgezeichnet und auch er macht dieses BoybandDing so ernsthaft albern-überhöht mit, dass es die reinste Freude ist. Ob als Conchita Wurst im zu engen Kleid – Rise like a Phönix gehörte auch gesanglich zu den absoluten Höhepunkten – oder als Baby aus Dirty Dancing mit Johnny-Filippo: In jeder Sekunde war dieser Auftritt einfach perfekt.
Wer schon einmal ein Boyband-Special besucht hat (etwa 2025 oder 2024), wird feststellen, dass manche Dinge immer wieder kehren. So das beliebte Intro als Superhelden. Aber wusstet ihr, dass ein italienischer Mr. America eine sehr enge telefonische Beziehung zu seiner Mutter pflegt? Dieses witzige Klischee wird ganz am Ende in der letzten Nummer (Dirty Dancing) noch einmal humorvoll wiederholt und ich finde gerade diesen Bogen einfach spaßig.



Die Stimmung war nach diesem Beginn sofort oben, denn Boyband-Klassiker machen einfach Laune. Man kennt sie, singt mit und erfreut sich an der Choreo. Es ist ja schon erstaunlich, wie gerade Riccardo Greco als spontaner Einspringer auch das in kürzester Zeit hinkriegt. Dass er die Reihenfolge der Lieder nicht auswendig weiß, wird hin und wiede augenzwinkernd -auch von ihm selbst- auf den Tisch gebracht.
Dann ging es weiter wie vom Publikum erhofft und ich zitiere mit Freuden aus dem letzten Jahr:
„Das Schöne am Boyband-Special ist ja, dass du als Zuschauer alles kriegst. Denn zusätzlich zu vier gutaussehenden, perfekt als Boygroup zusammengecasteten Profis bekommst man auch vier Sänger, die sichtbar Spaß an dem Format haben. Die performen sowohl bekanntes aus den Vorjahren, sind aber auch für Überraschungen gut. Es gibt Uptempo-Nummern und langsame Songs, es gibt Musicalevergreens und selten gesungene Melodien. Soli wechseln ab mit Duetten oder vierstimmigen Gesang, da ist abgemischter Popsong-Style vertreten wie auch A-Capella Nummern. Man bekommt geprobte Choreographie geboten genauso wie ungeprobte Zwischendialoge. Kurzum: dieses BoybandSpecial ist die eierlegende Wollmilchsau unter den Konzerten, das den Bogen wirklich weit aufspannt, und sich jeder wiederfindet in einem Reigen von ernsthafter Kunst bis zu entspanntem Blödsinn.“
So war es auch dieses Jahr, und obwohl der Vibe zwischen den Vieren ein wenig ein anderer war als innerhalb der ursprünglichen Besetzung: Diese vier genialen Sänger wissen in diesem Format einfach zu überzeugen.



Philipp Hägeli mit Robbie Williams‘ „Feel“ in Fantasieuniform:


Filippo, ebenfalls in Fantasieuniformmantel:

Philipp Hägeli als Tarzan, stilecht mit Rastas und offenem Hemd:


Riccardo Greco mit Schmusesound:



Das Feuer der Hölle aus dem Glöckner von Notre Dame, mit Filippo als Claude Frollo:

Always look on the bright side of life aus Spamalot. Für diejenigen, die das Musical nicht kennen: Das Lied aus „Life of Brian“ findet sich tatsächlich in diesem Bühnenstück.


Aus einem meiner liebsten Musicals – Rudolph-Affäre Mayerling – singt dann Riccardo Greco: Wie jeder andre Mann. Trotz kurzer Vorbereitungszeit liefert er dieses großen Solo überragend ab.


Boyband-Feeling vor der Pause:



Ruhige Boyband-Weisen:






Me and my shadow – bekannt vom Rat Pack und Robbie Williams, aber eigentlich ein Song aus dem Jahr 1927.

Melancholisches von Peter Stassen auf Niederländisch. Ein faszinierender Mann.


Riccardo Greco als Conchita Wurst: „Rise like a Phönix“.



Spaß mit Philipp Hägeli und Peter Stassen als Pärchen in einem ehrenwerten Haus mit viel Situationskomik.

Dank Riccardo Greco – dem Lucheni der Elisabeth-Tour – gab es dieses Jahr „Kitsch“ Elisabeth.



Der letzte Tanz aus Elisabeth. Philipp Hägeli als schwarz bemantelter Tod:


Ariana Grande und Cynthia Erivo waren auch da!


„Time of my life“ aus Dirty Dancing, mit einem wunderbaren Duo Filippo Strocchi und Riccardo Greco:









Und ganz am Ende gab es laut mitgesungene Beatles-Klassiker.

Gott-sei-Dank hat Peter Stassen das nächste Konzert terminlich schon auf die Beine gestellt:
Sonntag, 13.02.2027 im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen. Ich hab meine Karten schon hier liegen, die vier Freundinnen auch. Für mich ist das gesetzt, weil es so unheimlich viel Spaß macht. Und gelernt habe ich: Boyband-Mitglieder können ersetzt werden. Zwar werden die „Alten“ schmerzlich vermisst, aber die „Neuen“ waren einfach der Knaller!
Wir sehen uns am 13. Februar 2027 im Festspielhaus Neuschwanstein!
Alle Fotos: Dr. Joachim Schlosser Fotografie exklusiv für Die Frau schaut hin, mit Dank ans Festspielhaus und Peter Stassen/ArtGerecht! Verwendung ausschließlich korrekt getaggt (Instagram @diefrauschauthin und @joachimschlosser) und mit Hinweis auf diesen Artikel.
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